Bol.de experimentiert mit Second Life - die Idee ist gut, die Umsetzung könnte besser sein
Jan 24th, 2008 by Simon Künzler
internetworld.de beschreibt die die Marketing-Aktion von bol.de mit Second Life wie folgt:
Im Rahmen eines Wettbewerbs ging der Online-Buchshop BOL in der 3D-Welt Second Life auf Kundenfang. Die Bewohner der digitalen Welt waren aufgerufen, sich mit ihrem Avatar als virtueller Berater für die Homepage des Unternehmens zu bewerben. Gewonnen hat die schwarzhaarige Kunstfigur Amal Hathaway, die jetzt als Urlaubsvertretung für die eigentliche BOL-Einkaufsberaterin Trixie einspringt. Amal heißt im wirklichen Leben Anke und ist 29 Jahre alt. Die Medizinstudentin aus dem Ruhrgebiet hat sich vor gut einem Jahr eine Zweitexistenz im Second Life geschaffen, die nun auch der realen Welt bekannt wird. Das Angebot von BOL.de kennt Amal bereits aus Second Life. Als erster großer deutscher Internet-Buchhändler eröffnete BOL.de im März 2007 ein Kaufhaus in der virtuellen 3D-Welt und ist seit November dort mit der eigenen Insel Bookland vertreten.
Eigentlich gefällt die Aktion ganz gut. Denn: bol.de macht so einen Second Life-Avatar aus der dritten Dimension zum virtuellen Berater auf einer 2-dimensionalen Internetseite. So werden die beiden Welten irgendwie verknüpft.
Schade nur: Die Avatarin antwortet im Chat NICHT live. Wer die virtuelle Beraterin nämlich mit dem realen Namen «Anke» anspricht, erhält folgende Antwort: «Entschuldigen Sie, ich habe Sie gerade nicht verstanden. Was meinen Sie?». Das gleiche Ergebnis, wenn man sie mit Amal oder auch Amal Hathaway anspricht. Auf «Hallo Trixie» folgt dagegegen: «Ja, lieber Besucher, womit kann ich Ihnen denn jetzt weiterhelfen?» Logisch. Weil nicht die echte Anke oder Amal antwortet, sondern eine Chat-Software. Und der Software wurde nicht gesagt, dass die Urlaubsvertreterin «Amal» oder «Anke» heisst…

In diesem Zusammenhang wirkt auch die Pressemitteilung etwas unglücklich:
Die ersten beiden Arbeitstage sind gut gelaufen für Amal Hathaway. Seit Montag jobbt die schwarzhaarige Kunstfigur als Urlaubsvertretung für Trixie, die virtuelle Einkaufsberaterin auf bol.de.
Echt schade. Würde wirklich Anke antworten, so wäre die Aktion sehr gelungen. Unter diesem Umständen aber wirkt die Promotion etwas platt. Second Life lebt von der echten Interaktion, von der realen Kommunikation mit den Avataren. Dieses Credo hätte auch für die virtuelle Beraterin auf der Website übernommen werden müssen.